Haus der Familie Bonck in Hoorn, die Niederlande

Das Haus Bonck ist ein hervorragendes Beispiel für ein niederländisches Kaufmannshaus aus dem 17. Jahrhundert. Im Gegensatz zu vielen ähnlichen Häusern, die im Laufe der 400-jährigen Geschichte immer wieder umgebaut wurden, hat das Haus der Familie Bonck viele authentische Details und eine unglaubliche, leicht düstere Atmosphäre bewahrt.

Ich war immer daran interessiert, wie der Alltag in den Niederlanden zu dieser Zeit geregelt war. Schon vor der Reise hatte ich die Grundrisse von Häusern aus dem 17. Jahrhundert genauer unter die Lupe genommen, aber die konkrete Nutzung der Zimmer war selten angegeben. Ich konnte den Zweck der Räume nur aufgrund meiner Erfahrung und des allgemeinen Menschenverstands beurteilen.

Skizze: EG, Zwischengeschoss, OG

Wohnen und Arbeiten unter einem Dach: Das Home Office aus dem 17. Jahrhundert

Wenn man das Haus betritt, kommt man in den Handelssaal, wo Waren gelagert, Verhandlungen geführt und Geschäfte gemacht wurden, was bedeutet, dass dieser Teil des Hauses für die Öffentlichkeit zugänglich war.

Links vom Eingang befindet sich das eigentliche Büro des Kaufmanns: Es sieht aus wie die Kabine eines Schiffskapitäns. Es gibt sicherlich einen Zusammenhang mit der Schifffahrt, denn der gesamte Handel basierte damals auf dem Schiffstransport.

Es gab nur ein Aufenthaltsraum, und das war der einzige, der beheizt war. Das Privatleben der gesamten Familie spielte sich ausschließlich in einem Raum ab, einer Art Studio-Wohnung aus dem 17. Jahrhundert. In diesem Fall sieht das Bett im Schrank nicht mehr so wild und unverständlich aus: Man schläft nachts darin und stellt tagsüber einige Dinge hinein.

Stühle und Fenster wie in den Gemälden der niederländischen Meister des Goldenen Zeitalters.

Der ursprüngliche Baustruktur des Hauses ist erhalten geblieben. Die Pfosten waren ohne einen einzigen Nagel mit den Bodenbalken verbunden. Um die komplizierte Konstruktion besser verstehen zu können, kann man das Modell selbst zerlegen und wieder zusammenbauen.

Im Obergeschoss befinden sich zwei große Zimmer, die für kurze Zeiträume gemietet werden können. Das Museum ist während dieser Zeit geschlossen, und das gesamte Haus steht im Wesentlichen den Mietern zur Verfügung. Nur der Raum, in dem der Teppich auf dem Tisch liegt, bleibt abgesperrt. Als ich mehr Zeit im Obergeschoss verbrachte, bekam ich ein Gefühl für das Alter des Hauses: Die Sanierung ist sehr filigran. Man sieht, dass man versucht hat, die ursprüngliche Bausubstanz so gut wie möglich zu erhalten. Anhand der Anzahl der Holzflicken lässt sich erkennen, welche Bereiche am stärksten abgenutzt sind, wo Markierungen, Einschnitte und so weiter gemacht worden sind.

Wenn man sich den Fenstern im Obergeschoss nähert, spürt man die starke Neigung der Fassade. Zusätzlich zu den Fenstern gibt es eine Tür und einen großen Haken im Deckenbalken: Dieser wird benötigt, um sperrige oder schwere Güter hochheben zu können. Es gibt leider keinen anderen Weg, denn die Treppe ist spiralförmig und eng, und man muss sich am Seil festhalten, um nicht zu fallen.

Die Zimmer sind tatsächlich sehr dunkel. Die Einrichtung ist sehr eklektisch, was mir sehr gut gefällt.

Dieses Haus hat einen Nachteil. Es gibt eine Menge Spinnen im Haus! Aus irgendeinem Grund gibt es in der ganzen Stadt ziemlich viele von ihnen. Vielleicht liegt es an dem feuchten Klima, aber sie fühlen sich sehr wohl und scheinen gut zu futtern.

Abends schaute ich auf das Betthaupt und dachte nur eines: Ich wünschte, es wäre keine Spinne von der Decke auf mich gefallen…